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Start Segelfliegen / Motorsegeln Fliegen in Worten Das Wandern ist des Fliegers Lust - Wandersegelflug 2018

Das Wandern ist des Fliegers Lust - Wandersegelflug 2018

Was gibt es Schöneres, als die Natur zu genießen? Da dies insbesondere beim Wandern als auch beim Segelfliegen möglich ist, wurde dies kurzer Hand kombiniert und ein Wandersegelflug geplant.

Das bewährte Team der Wandersegelflug-Enthusiasten der letzten Jahre ist mit leicht wechselnder Besetzung dieses Jahr an den Start gegangen. Mit dabei waren vom Geratshof Sepp, Günther, Hans und Reinhold, aus Landau Jochen und aus Sindelfingen Martin. Sepp und Reinhold sind im Doppelsitzer geflogen, so dass wir insgesamt fünf Maschinen waren.

Die erfolgreiche Durchführung bedarf natürlich einer pedantischen Planung, die sich in den letzen Jahren als Schlüssel zum Erfolg herausgestellt hat. Dies sieht im Detail folgendermaßen aus:

1.)   Wir verabreden uns, im Sommer einen Wandersegelflug durchzuführen. Jeder blockt sich ein Zeitfenster von mindestens 2 Wochen.

2.)   Es wird in die Wettervorhersage geschaut, damit auch wenigstens ein paar Tage am Stück fliegbar sind.

3.)   Das Wetter gibt die Route vor, ob nach Osten oder Westen, in die Berge oder ins Flachland.

4.)   Wir telefonieren, um einen Startzeitpunkt festzulegen. Dieses Jahre haben wir sogar schon 36h vorher den Abflug festgelegt. Deutlich langfristiger als in den Vorjahren. Unsere Routine macht sich allmählich bemerkbar!

5.)   Es geht los!

Mit einer derart präzisen Vorbereitung kann eigentlich schon gar nichts mehr schief gehen.

Somit haben wir uns alle am 30.06. am Geratshof verabredet, um gemeinsam zu starten. Laut Wettervorhersage sollte der Norden und Osten in den nächsten Tagen gut fliegbar werden, so dass die grobe Route bereits definiert war.

Leider ist auf der Straße viel zu viel los, so dass Jochen mit etwas Verspätung ankam. Gestartet sind wir dann erst gegen 14:00 Uhr. Macht nichts, schließlich geht es beim Wandersegelflug nicht darum einen Weltrekord zu fliegen, sondern um schöne gemeinsame Flüge und Erlebnisse.

Der erste Tag brachte uns dann auch mit toller Wolkenthermik bis nach Regensburg, wo wir in der Luft auch noch Jens (ebenfalls vom Geratshof) in der Luft getroffen haben, der sich kurzerhand entschlossen hat sich uns für diesen Tag anzuschließen. Somit ging es nun mit 6 Segelflugzeugen weiter Richtung Norden, wobei in Kursrichtung keine Wolke mehr zu sehen war. Vorbei an Grafenwöhr und ab und zu im Blauen kurbelnd, sind wir schließlich am Abend nach einem kurzen Abstecher über den Ochsenkopf alle in Bayreuth gelandet. Dort wurden wir von Andi freundlich empfangen und gleich zum Grillen eingeladen, natürlich mit fränkischen Bratwürsten. Nach ein paar wenigen Stunden fachsimpeln haben wir uns für diese Nacht ein Hotel in Bayreuth gegönnt.

Am nächsten Morgen, den 01.07., sind wir dank freundlicher Unterstützung aus Bayreuth teils mit der Winde, teils im F-Schlepp gestartet. Der Kurs führte uns unter einer Wolkenstrasse entlang des Erzebirges nach Tschechien, weiter zum Elbsandsteingebirge mit dem markanten Elbdurchbruch. Weiter ging es nördlich von Dresden über den Lausitz-Ring und dann entlang der Elbe Richtung Westen. Bei Basihöhen von 2200m und mehr war die Flughöhe teils 2000m über Grund. Was für ein tolles Gefühl! Und das bei glasklarer Sicht. Nördlich vorbei am Harz, der gegen Abend schön von der Sonne beleuchtet wurde und der Brocken mit der Bergstation schön sichtbar war, haben wir im Blauen Endanflughöhe erkurbelt und sind nach Wilsche abgeglitten. Da wir vor 4 Jahren bereits schon einmal in Wilsche übernachtet hatten und somit die Lokalitäten kannten, freuten wir uns schon auf das Abendessen im „Deutschen Heinrich“, unserem Stammlokal. Wie auch beim letzten Mal hat uns Uwe am Flugplatz herzlich empfangen und für unsere Unterkunft am Platz und auch das Frühstück am nächsten Morgen gesorgt. Vielen Dank für diesen super Service!

Am 02.07. war das Ziel Dänemark nun zum Greifen nahe. Da jedoch aufgrund der Wettersituation eine Übernachtung in Dänemark ausschied, wir wären von dort nicht mehr per Segelflug zurückgekommen, war der Plan nun, wenigstens eine Wende nach Dänemark zu legen. Also auf zum Start per F-Schlepp und ab in die Luft! Bei geringer Bewölkung und Basishöhen um die 2000m ging es zügig voran, Kurs Richtung Norden. Schon ist die Ostsee am Horizont zu erkennen, und kurze Zeit später fliegen wir bereits über Lübeck. Weiter Richtung Kieler Förde bei toller Wolkenoptik. In der großen Höhe von über 2000m taucht nun die Nordsee links im Bild auf. Gleichzeitig ist die Ostsee rechts zu erkennen. Nur zu schade, dass ich kein Weitwinkel an meinem Foto habe, um diesen einmaligen Blick im Bild festzuhalten. Über den Nord-Ostseekanal bei Rendsburg geht es immer weiter Richtung Flensburg. Die Inseln im Wattenmeer kommen nun auch in den Blick. Einfach fantastisch mit dem Segelflugzeug auf dieser schmalen Landzunge zuwischen Nordsee und Ostsee dahin zu gleiten. Hinweg über Flensburg und schon sind wir in Dänemark. Wir wenden über dem Flugplatz Krusa Padborg, genießen den tollen Blick, drehen uns um nach Süden, und schlucken erst einmal. Wo sind all die schönen Wolken hin? Mittlerweile hat sich die tiefe Basis, die schon auf dem Flug nach Norden aus Richtung Westen erkennbar war, bereits deutlich nach Osten verschoben und bedeckt nun 2/3 der schmalen Landzunge. Na ja, es sind ja nur 150km nach Lübeck, dann wird es schon wieder besser. Also entlang der verbliebenen Wolken schleichen und Kurs immer Richtung Süden. Nördlich von Hamburg nicht in den Sektor einfliegen, obwohl dort wieder schöne Wolken stehen, stattdessen im Blauen außen herum fliegen. Warum sind die Sektoren eigentlich immer da, wo die Wolken sind? Egal, ich habe keine Zeit um diese Frage zu analysieren, ich muss mich konzentrieren um nicht abzusaufen. Also weiter im Blauen bis nach Lübeck gleiten und dort konnte ich endlich über Ratzeburg wieder vernünftig Höhe machen. Mittlerweile ist auch eine tolle Wolkenstrasse Richtung Südosten in Reichweite gekommen, nur noch ein paar Kilometer zum hinfliegen. Es ist zwar mittlerweile 17:30 Uhr lokal, das Ziel Reinsdorf in 250km Entfernung scheint jedoch machbar. Unter der Wolkenstrasse geht es dann bei Basishöhen von 2200m im schnellen Vorflug dahin, so dass wir noch pünktlich zum Abendessen in Reinsdorf landen können. Lambert empfängt uns herzlich und fährt uns zur nächstgelegenen Gastronomie in der angeblich 4km entfernten Ortschaft, zu Fuß wären es sicherlich mindestens doppelt so viele km gewesen. Eine Übernachtungsmöglichkeit erhalten wir von ihm direkt am Flugplatz.

Am 03.07. wird beim Wetterbriefing schon klar, dass wir entweder ein paar Tage festsitzen werden, egal in welche Richtung wir fliegen, oder wir schaffen es bis zum 04.07. zurück zum Geratshof. Nach kurzer Lagebesprechung entscheiden wir uns, heute, am 03.07. einen schönen Flug durchzuführen und Richtung Geratshof zu fliegen, so dass wir am Mittwoch noch eine Chance haben, den Geratshof per Flugzeug zu erreichen.

Also ab in die Luft per Winde mit Ausklinghöhen von über 500m, bei dem kurzen Seil von 1500m ist dies möglich. Der Höhenschlepp mit über 2500m Seil war leider nicht durchführbar an diesem Tag, sonst wäre die Ausklinkhöhe doppelt so hoch gewesen. Macht nichts, Thermikanschluss war trotzdem garantiert. Nach dem alle in der Luft sind geht es im Blauen Richtung Osten, Ziel ist das Riesengebirge. Vorbei an dem Braunkohle Tagebau und den Kraftwerken geht es nach Görlitz zur polnischen Grenze. Dort ist das Riesengebirge bereits erkennbar, und es stehen sogar ein paar Wolken über den Bergen. Nichts wie hin, im Blauen wird es im Flugzeug sowieso schon viel zu heiß. Die Basis und die Steigwerte im Riesengebirge überzeugen, bei Höhen bis 2600m und 3m/s geht es an den Bergen entlang bis zur Schneekoppe. Noch ein paar Wolken weiter Richtung Osten und schon wird auch wieder gewendet, da Bayreuth, unser nächstes Ziel, knapp 350km entfernt liegt. Beim Überflug über das Riesengebirge stelle ich mir die Frage, ob der Name eigentlich Fake-News ist. Weder von der lateralen noch von der vertikalen Ausdehnung ist der Name Riesengebirge gerechtfertigt. Oder liegt es daran, dass hier Riesen leben? Schnell werden diese Gedanken weggewischt, denn kaum hört das Riesengebirge auf, enden auch schon die Wolken, und es geht im Blauen weiter. Der Kurs nach Südwesten führt uns zum Elbsandsteingebirge, wo wir nochmals einen Abstecher über den Elbdurchbruch machen, um anschließend das Erzgebirge entlang zu fliegen. Leider sind die Steigwerte südlich des Elbsandsteingebirges merklich zurückgegangen, und so sind wir schon mit 1m/s zufrieden. Im Schneckentempo geht es nun weiter, immer mal wieder von unten ausgraben und schön Kurs Richtung Bayreuth halten. Wir wollen schließlich am Mittwoch zurück zum Geratshof kommen. Nach langem Kurbeln und vorsichtigem Vorfliegen kommt nun doch noch Bayreuth in Sichtweite, und so landen wir am Abend wieder in Bayreuth. Hier kennen wir uns schon aus. Die Flugplatz-Gastronomie hat sogar noch geöffnet. Nach dem Abendessen bestellen wir ein Taxi um zum Hotel zu gelangen, was bei der Bedienung die verwunderte Frage aufwirft: „Sind Sie zu Fuß hierher gekommen?“ Dass man am Flugplatz weder mit dem Auto noch zu Fuß anreisen kann hat sich wohl noch nicht überall herum gesprochen.

Am 04.07. sind die Prognosen für den Rückflug noch schlechter als am Vortag, großflächige Abschirmungen und frühzeitig einsetzende Schauer. Wie sollen wir da zurückkommen? Keine Ahnung, probieren müssen wir es. Also wird gegen Mittag per F-Schlepp gestartet. Wie ein Wunder geht es gleich mit 1m/s in der Thermik nach oben. Das beste daran, Basishöhen von mehr als 2000m. Das lässt Hoffnung aufkommen. Östlich vorbei an Grafenwöhr finden wir immer wieder Steigwerte von 2-3m/s bei Basishöhen von 2400m, so dass wir überraschend gut und schnell vorankommen. Dies ist auch notwendig, da schon ab 15:00 Uhr Schauer bei Augsburg vorhergesagt sind. Und tatsächlich, als wir in Neuburg ankommen ist der Weiterflug zum Geratshof durch eine Schauerlinie versperrt. Nun ist guter Rat teuer. Wir teilen uns, die Mutigen fliegen durch den Schauer hindurch, kommen unbeschadet in Augsburg heraus und können mittels Motor die verbliebene Strecke zum Geratshof überbrücken. Das Warten hatte sich jedoch für die Ängstlichen auch gelohnt, denn nun scheint ein Umfliegen der Schauerlinie mit Kurs direkt nach Westen möglich. Thermik ist nach dem Schauer zwar keine zu erwarten, aber mit dem Motor im Gepäck ist eine Landung im Geratshof dann möglich. Gesagt, getan, und schon haben wir uns alle wieder am Geratshof zusammen gefunden. Da die Schauer schon über den Geratshof hinweg gezogen waren, konnten wir nun in aller Ruhe unsere Flugzeuge im Trockenen abrüsten.

Es war wieder einmal ein tolles, unvergessliches Erlebnis! Der Wandersegelflug für nächstes Jahr ist schon wieder gebucht, nur Kurs und Ziel steht noch nicht fest.

 

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